RELATIONESFotografische Erkundungen des Dazwischen
27. Juni – 29. August 2026 Kloster Neustift
Fotografie entsteht nicht im leeren Raum. Sie entsteht aus einer Begegnung — zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, zwischen Nähe und Distanz, zwischen dem, was sichtbar wird, und dem, was sich entzieht. Mit RELATIONES zeigt Kloster Neustift in der Engelsburg 18 zeitgenössische Positionen aus Südtirol, Österreich und Deutschland, die genau diesem Dazwischen nachspüren.
Die Arbeiten nähern sich diesem Grundgedanken aus unterschiedlichen Richtungen — sie erzählen von Nähe und Distanz, von Identität und Erinnerung, vom Verhältnis des Menschen zu seinem Lebensraum, von gesellschaftlichen Verbindungen und Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Gerade in dieser Vielstimmigkeit zeigt sich, wie weit der Begriff der Beziehung trägt, wenn man ihn ernst nimmt: nicht nur als Sujet der Fotografie, sondern als ihre eigentliche Arbeitsweise. Denn auch das Bild selbst entsteht erst im Moment der Begegnung zwischen dem Blick der Fotografierenden und der Welt, die sich zeigt oder verweigert.
Die historische Architektur der Engelsburg, einst als Pilgerkapelle errichtet, wird dabei bewusst zum Teil des Konzepts, nicht zu seiner bloßen Kulisse. Der romanische Rundbau aus dem 12. Jahrhundert ist seit jeher Schwelle und Durchgang, ein Ort des Aufeinandertreffens — und führt die Besucher*innen entlang dreier thematischer Ebenen durch genau diese Erfahrung. Im Untergeschoss steht die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen im Zentrum: der Blick auf das Gegenüber, das, was entstehen kann, wenn man wirklich hinsieht, und das, was auf Distanz hält. Der Rundgang im Obergeschoss weitet den Fokus auf das Verhältnis des Menschen zur Welt, zur Natur, die ihn umgibt, und zu den Systemen, in denen er lebt. Im ehemaligen Kapellenraum schließlich richtet sich der Blick auf das, was entsteht, wenn Menschen sich wirklich einlassen — auf jene Verbindungen, die über das Individuelle hinauswachsen und den Einzelnen als Teil von etwas begreifen, das ihn einschließt oder gar übersteigt.
So wird die Ausstellung selbst zu dem, wovon sie erzählt: kein Raum, der Beziehung nur abbildet, sondern einer, der sie erfahrbar macht.
Teilnehmende Künstler*innen:Anna Anvidalfarei | Florian Borkenhagen | Julia Bornefeld | Karin Ferrari | Michael Fliri | Werner Gasser | Heinz Innerhofer & Christina Auer | Giancarlo Lamonaca | Katharina Theresa Mayr | Sissa Micheli | Anuschka Prossliner | Karin Schmuck | Michael Schmücking | Othmar Seehauser | Tiberio Sorvillo | Nicole Weniger | Gustav Willeit | Marko Zink
Kuratiert von Sandra Mutschlechner

FLU(ch)T
Christina Auer und Heinz Innerhofer erforschen den unendlichen Raum der Information und haben für ihre Arbeit „Flu(ch)t“ bewusst mit Spiegel gearbeitet – eine Entscheidung, die weit über eine reine Präsentationstechnik hinausgeht. Dieses Trägermaterial wird zum aktiven Gestaltungselement, das den Betrachter in das Kunstgeschehen hineinzieht und ihm seine eigene Rolle im Informationsraum vor Augen führt. Zunächst scheint man vor einer in sich geschlossenen Fotografie zu stehen, einem stillen, ästhetisch komponierten Bild aus scheinbarer Harmonie und Ruhe. Je nach Position des Betrachters verwandelt sich das Werk grundlegend. Plötzlich ist er nicht mehr der distanzierte Beobachter, er steht mitten unter ihnen, wird zum Mitspieler in diesem absurden Theater der Informationsgesellschaft.Doch das Material kann noch mehr. Im Wandel des Blickwinkels kippt das Bild – von Positiv zu Negativ. Dieses Oszillieren zwischen scheinbarer Gewissheit und plötzlicher Infragestellung aller Wahrnehmung erfährt der Betrachter am eigenen Leib. Die Künstler:innen machen auf diese Weise erfahrbar, was der Titel „Flu(ch)t“ benennt: Es gibt keinen festen Grund mehr, keinen sicheren Beobachtungspunkt außerhalb des Informationsraums. Wir sind immer schon mitten drin. Als Klanginstallation ist „tilt“, für Altflöte (Christina Auer) und Elektronik 2015 komponiert von Alexander Kaiser, zu hören: Mosaikartige Entwürfe, die immer wieder ineinandergreifen, sich abstoßen, trennen, kollidieren. Strukturen, die sich nach und nach zu einer Klangzelle formen. Stromförmige Bewegungen, welche sich unaufhaltsam einem Nullpunkt nähern um anschließend sofort in eine scheinbar unkontrollierte Masse zu kippen. Christina Auer & Heinz Innerhofer
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